Donnerstag, 1. März 2007Umstimmung durch FastenIm körperlichen Geschehen drückt sich dieser Entschluß gegen das Gefälle leiblicher Bedürfnisse als kurze ergotrope Phase aus. Danach beherrscht die Umstellung auf die autarke "Innere Ernährung" mit den phasenhaften Abläufen der "Inneren Verdauung" gesetzmäßig das Fastengeschehen. In der Zusammenschau möglichst vieler meßbarer Daten des Stoffwechsel- und Kreislaufverhaltens im Fasten lassen sich die therapeutischen Ansätze, aber auch dessen kritische Phasen ablesen. Von Woche zu Woche erfaßt das Fasten in seinem phasenhaften Ablauf immer weitere und tiefere Bereiche bis hin zu den "alten Sedimentationen". Sympathikolyse, Entsalzung und Entquellung sind die beherrschenden Vorgänge der ersten Woche, während in der z. Woche die Ökonomisierung des Stoffwechsels dominiert. In der 3. Woche wird die Kleinarbeit der Entgiftung des interstitiellen Großraumes bedeutsamer. Zumeist erst in der 4.-6. Woche werden jene Zell- und Eiweißstrukturen der inneren Verdauung erreichbar, von deren Ab- und Umbau eine heilende Umstimmung bei rheumatischen, allergischen und immunologischen Erkrankungen zu erwarten ist. Als Alternative zu einer einseitigen, mit Nebenwirkungen belasteten Chemotherapie finden Fasten und nachfolgende diätetische Umstellung immer noch zu wenig Beachtung.
Die therapeutischen Wirkungen des Fastens ergeben sich geradezu gesetzmäßig aus der systematischen Umstellung des Organismus auf innere Ernährung. Diese Umstellung auf innere Ernährung hat sowohl einen psychologischvegetativen, wie auch einen metabolisch-energetischen Aspekt. Von beiden Seiten her werden - bezogen auf die individuelle, vitale Gesamtsituation des Patienten - alle Durchgänge des fastenden Patienten gesteuert (1, 3, 4). Die wichtigste Voraussetzung für den gezielten Einsatz des Fastens in der Therapie ist deshalb die eingehende diagnostische Erfassung der Gesamtsituation des Patienten, leiblich wie seelisch, und seiner vegetativen Ausgangslage (2, 10). Der Einstieg zum Fasten ist bei den meisten Patienten gekennzeichnet durch eine ergotrope Sympathikotonie. Das liegt nicht allein an der weit verbreiteten, allgemeinen "Streßsituation" oder einer mehr oder weniger deutlichen Anreisebelastung, speziell mit dem Auto. Diese beiden sind die Basis dafür; relevanter ist aber die seelische Anfangsspannung, besonders beim Erstfaster (11). Fasten bedeutet ja die aktive Überwindung des natürlichen Sättigungstriebes und seiner individuell-variierten "Gelüste". Deshalb bedarf es einer angemessenen Willensanstrengung, um sich selbst gegen seine leiblichen Bedürfnisse und noch mehr gegen bewußte oder latente, untergründig-seelische Widerstände, Ängste, Ambivalenzen, durchzusetzen! Wirkungen des Fastens Alles zusammen ruft eine mehr oder weniger deutliche, kürzer oder länger anhaltende, reaktive, sympatikotone Erregung hervor. Sie läßt sich meßbar darstellen in der initialen Erhöhung des Grundumsatzes, des O2-Verbrauchs, des T3und T4-Spiegels, wie der Adrenalin-Noradrenalinausscheidung im Urin. Dem entspricht auch der bei der Aufnahmeuntersuchung meist überhöhte Blutdruck (6, 14, 23). Diese Reaktionen schlagen spätestens bis zum 3. Tag in das Gegenteil um: Abfall des Sympatikotonus, samt Schilddrüsenaktivität, damit Abfall des Blutdrucks, des Grundumsatzes und des OZ-Verbrauchs. Es kommt also zu einer "physiologischen Sympatikusblockade", die je nach Ausgangslage mal mehr den a -, mal mehr den b -Bereich betrifft (11). Durch den Nahrungsentzug und die unterstützende Darmreinigung (Glaubersalz, Einlauf) vollzieht sich in diesen ersten drei Tagen gleichzeitig die hauptsächliche Entleerung des Magen-Darmtraktes. (Gelegentlich kann sich diese auch einmal sehr in die Länge ziehen.) Damit ist ein bedarfsgerechter Rückgang der Drüsensekretion in den Schleimhäuten des gesamten Intestinaltraktes, vom Mund angefangen bis zum Enddarm, verbunden. Es wird so eine nicht unerhebliche Menge von Transportflüssigkeit aus dem gesamten Splanchnicus-Bereich überflüssig. Die Ausleitung dieser Transportflüssigkeit vollzieht sich gleichzeitig mit der Entwässerung des gesamten Interstitiums und ist untrennbar mit einer mehr oder weniger ausgeprägten Mineralausschwemmung verbunden (besonders NaCl und Kalium). Das hat zuerst eine bemerkenswerte Entlastung des gesamten Kreislaufs und des Herzens zur Folge, aber auch eine wirksame Entquellung des Unterhautbindegewebes, aller Schleimhäute und ihrer Anhangsdrüsen und nicht zuletzt des ZNS. Schon am 1. Fastentag kann die Ausscheidung von Kochsalz und Kalium das Maximum erreichen. Calcium und Magnesium reagieren wesentlich langsamer, erst am Ende der 1. Woche. Subjektiv wird diese Phase als eine gewisse Trockenlegung, besonders im Mund empfunden. Dies bedeutet eine physiologische Entwässerung wie sie von keinem Medikament besser vollzogen werden könnte (1, 3, 6, 11, 13, 18, 28). Umschaltungsvorgänge beim Fasten Der Einstieg in das Fasten bewirkt somit in den ersten drei Tagen eine tiefgreifende psycho-neuro-hormonale Umschaltung mit wirksamer Herz- und Kreislaufentlastung (Prä- and Afterlowd) die Senkung des Grundwasserspiegels verbunden mit der NaCI-Ausscheidung reduzieren den Betriebsdruck im Kreislauf, bessern die Fließeigenschaften des Blutes, öffnen die Peripherie und erleichtern den Stoff- und Gasaustausch in den Kapillaren. Der Antistreßeffekt bezieht auch den seelischen Bereich ein mit allgemeiner Beruhigung und Distanzierung vom Alltag. Als Krisen treten in dieser Phase hauptsächlich in Erscheinung: Kopfschmerzen, Migränerezidive (manchmal auch das letzte!), ärgerliche, aggressive Reizbarkeit, Müdigkeit, Unlust, Brechreiz, lebhafte Träume mit nicht selten bedeutsamem Inhalt. Nach dieser einleitenden vegetativen Gesamtumschaltung beherrschen zwischen dem 7. und 14. Fastentag stabilisierende Stoffwechselprozesse das Feld: Die anfänglich etwas üppige Eiweißverbrennung wird immer sparsamer und mehr und mehr durch Verbrennung von Fettsäuren, Glycerin und Ketokörper ersetzt. Gleichzeitig geht die Gluko-Neogenese zurück. Die Stoffwechselsituation ändert sich in typischer Weise: (1, 3, 6, 11, 13). Der Blutzucker geht an die untere Normgrenze herunter. Harnsäure und Harnstoff im Serum steigen an und erreichen ihr Maximum meistens zwischen dem 7. und 10. Tag, auch das Serum-Kreatinin kann parallel dazu ansteigen. Zunehmend mit der Lipolyse steigen auch die freien Fettsäuren im Serum an. Führt die vermehrte Fettverbrennung zu einem entsprechenden Anstieg der Ketokörper Aceton und Beta-Oxybuttersäure im Serum wie deren Urinausscheidung. Mit dieser bemerkenswerten Stoffwechselumstellung in der 2. Fastenwoche ist meistens schon eine Serumhyperlipidämie bereinigt und ein Erwachsenendiabetes, leichten bis mittleren Grades, ohne medikamentöse Hilfe wieder ausgeglichen. Daß schon sehr bald Hungergefühle keine bedeutende Rolle mehr spielen, wird einmal mit der Fastenketose und zum andern mit der Entleerung und Ruhigstellung des ganzen Magen-Darmbereichs erklärt. Krisen beim Fasten Als Krisen können in dieser Fastenperiode zwischen dem 7. und 14. Tag auftreten: Hypoglykämische Phasen durch ungenügende Glykogenese, eventuell nach ungewohnten Anstrengungen. Auftreten urtikarieller Exantheme, Verschlimmerung von allergischen, rheumatischen, ekzematösen und asthmatischen Symptomen, eventuell mit Fieberschüben, Schweißen, Erschöpfungsgefühlen. Schlafstörungen durch Herzklopfen, meist mehr kräftig als schnell und besonders beim Linksliegen, hauptsächlich durch die Fastenazidose ausgelöst. Renale Ausscheidungsstörungen, vor allen Dingen der Harnsäure durch Ketose. Eine ungenügende Trinkmenge kann in seltenen Fällen zu Steinbildung führen, generell besteht die Tendenz zur Austreibung auch schon vorbestehender Steinbildung, sofern die Steine noch nicht zu groß sind. Auslösung eines sekundären Aldosteronismus bis zur Ödembildung durch ungenügendes Trinken, ungewöhnliche Schweißbildung und vorangegangene Mineralverluste (meistens durch Diuretika und Abführmittel bedingt) Adynamie durch Mineralverluste, vor allen Dingen Kochsalz, aber auch Kalium, Magnesium und Calcium, zum Teil mit tetanoiden Reaktionen, eventuell kann auch eine verzögerte Darmentleerung durch Atonie entstehen. Selten Haarausfall, brüchige Nägel. Leichter Ikterus durch Hyperbilirubinämie (15). Mit der 3. Fastenwoche gelangt der Patient im allgemeinen in ein ruhigeres Fahrwasser. Ein zunehmend ökonomischer Umgang mit den vitalen Reserven setzt sich durch. Das Körpereiweiß wird geschont, die Glykoneogenese geht zur Toleranzgrenze zurück. Damit wird auch diese anfängliche Mehrarbeit der Leber reduziert. Jetzt hat sich der Körper an die überwiegende Fettverbrennung gewöhnt. Stoffwechsel und Kreislauf kommen in ein stabileres Gleichgewicht. Die venöse Hypostase ist behoben. Auch wirkt sich jetzt die statische Entlastung an allen tragenden Gelenken günstig und schmerzbefreiend aus. Jetzt erst funktioniert die ökonomischere, innere Ernährung reibungslos, ist der Magen-Darmtrakt weitgehend geleert und gereinigt und hat sich eingefaltet. Die bemerkenswerte allgemeine Entquellung und Entgiftung entlastet Herz, Kreislauf und Atmung, ebenso wie die Gewichtsabnahme. Alles in allem erlebt der Faster in der Regel jetzt ein lange nicht mehr gekanntes Wohlbefinden, getragen von einem ungetrübten Optimismus. Dieses Gefühl leiblicher Intaktheit und seelischer Ausgewogenheit kann sich geradezu zur Euphorie steigern und den Eindruck leiblicher und seelischer Verjüngung vermitteln. Nicht nur das Erleben ist intensiver, auch die Leistungsfähigkeit kann objektiv zugenommen haben. Diese innerseelische Umstimmung zum positiven Denken und Erleben ist das besondere Geschenk der 3. Fastenwoche (3, 5, 1). Dieser Text stamm aus einem Artikelauszug der Ärztegesellschaft Heilfasten und wurde geschrieben von Heinz Fahrner. Zur Homepage und zu vollständigen Artikel gelangen Sie, wenn Sie hier klicken... Trackbacks
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