Schlechte Zeiten für Moskitos: Neu entwickelte Mückenmittel wirken dreimal länger als bisher gängige Präparate. Weltweit könnten sie unzählige Menschenleben retten.
US-Forscher haben rund 200 chemischer Substanzen auf ihre mückenabwehrende Wirkung hin untersucht. Dabei konnten sie eine Reihe neuartiger Mückenschutzmittel identifizieren. Die neuen Substanzen hielten menschlichen Versuchspersonen die pieksenden Plagegeister bis zu 73 Tage vom Leib, berichten die Forscher um Alan Katrizky von der Universität Florida. Einige von ihnen wirken sogar dreimal so lange wie das Standardabwehrmittel DEET (N,N-Diethyl-m-Toluamid), das heute in den meisten Präparaten steckt.
um die Ausbreitung einzudämmenFür ihre Untersuchung hatte das Team zunächst Daten des US-Landwirtschaftsministeriums aus den vergangenen 50 Jahren durchforstet. Dabei konzentrierten sich die Wissenschaftler auf N-Acylpiperidine – das sind Substanzen, die mit dem scharfen Wirkstoff aus dem Pfeffer verwandt sind.
Um eine Vorauswahl zu treffen, entwickelten sie zunächst theoretische Modelle vom Gehirn der Moskitos, die abbilden, wie diese auf die verschiedenen Substanzen reagieren – sogenannte künstliche neuronale Netze. Auf dieser Basis konnten die Forscher die wahrscheinliche Wirkung der verschiedenen Mückenschreckkandidaten einschätzen. 34 Substanzen, die sie als besonderes hoffnungsvoll einstuften, testeten die Forscher anschließend im Labor.
Verdreifachte Wirkzeit
Dazu trugen Probanden das jeweilige Mittel auf einen Stoffstreifen am Arm auf. Die Forscher beobachteten dann, wie viele Tage der Geruch Aedes-aegypti-Mücken vom Stechen abhielt, die auf den Menschen unter anderem Gelbfieber übertragen. Ein Großteil der getesteten Substanzen wirkte mindestens so gut oder besser als das gängige DEET. Einige Mittel schützten gar mehr als dreimal so lange vor den Stichen.
DEET dient seit mehr als 50 Jahren als Mückenschutzmittel. Allerdings reagieren manche Menschen auf die Mittel mit Hautirritationen. Außerdem verliert der Mückenschutz recht schnell seine Wirkung und muss meist in großen Mengen auf Haut oder Kleidung aufgetragen werden.
Während in unseren Breiten Mückenstiche in der Regel lediglich lästig sind, können sie in tropischen Ländern tödliche Krankheiten wie Malaria, Dengue- und Gelbfieber übertragen. Zwar forschen Wissenschaftler in aller Welt derzeit auch an Impfstoffen und verändern das Erbgut der Insekten, um der Seuchen Herr zu werden. Neue Abwehrmittel, die schneller zur Verfügung stehen könnten, sind aber ebenfalls dringend notwendig, um die Ausbreitung einzudämmen.
Quelle:fokus