Sie ziehen sich zurück, lehnen Einladungen zum Essen ab und treiben stattdessen ständig Sport. Sie nehmen stark ab, leugnen das aber gegenüber sich selbst und anderen. Rund 1,0 % der 15- bis 20-jährigen Mädchen leiden in Österreich an Magersucht. Mindestens 2.500 Mädchen sind davon betroffen.
Über die Ursachen streiten die Experten. "Die Glorifizierung des Extrem-Dünnen ist sicherlich ein Einflussfaktor", sagt Friederich. Allerdings sei bekannt, dass dieser sich bei anderen Essstörungen wie Bulimie oder der sogenannten Binge-Eating-Disorder ("Fressattacken") stärker auswirkt als bei Magersucht. "Die extrem hohe Zahl der Patienten im Pubertätsalter legt nahe, dass Probleme mit der körperlichen Reife, mit dem Erwachsenwerden und auch neurologische Entwicklungsstörungen eine Rolle spielen könnten."
Die meisten Jugendlichen sind in der Pubertät von Selbstzweifeln und Identitätskrisen betroffen. "Hier können Eltern und Freunde schon vorbeugend wirken: Sie können gezielt die Stärken des Jugendlichen hervorheben und loben", schlägt Elisabeth Pott, Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Köln, vor. Sie könnten auch vermitteln, dass der Wert eines Menschen nicht durch sein Äußeres bestimmt wird. Solche Bemühungen sind dann am glaubhaftesten, wenn die Mutter oder die Freundin nicht selbst einem Schönheitsideal nacheifert.
Wenn junge Menschen in der Pubertät viel Aufmerksamkeit erfahren, fallen auch erste Symptome einer Magersucht leichter auf. "Dazu gehören vor allem Veränderungen im Essverhalten", erläutert Oberarzt Friederich. "Warnzeichen sind, wenn jemand ständig das eigene Gewicht kontrolliert, die ganze Familie bekocht, jedoch 1.000 Ausreden parat hat, warum er selbst nichts essen kann." Außerdem betreiben Betroffene häufig exzessiv Sport. Hinzu kommt ein sozialer Rückzug.
Ein späteres Symptom ist rasanter Gewichtsverlust. Mediziner definieren die Krankheit Magersucht über den sogenannten Body-Mass- Index (BMI). Dazu wird das Gewicht in Kilogramm durch die Körpergröße in Metern zum Quadrat geteilt. "Wenn der BMI unter dem Wert 17,5 liegt, braucht der Betroffene dringend Hilfe", sagt Friederich.
Oft bezeichnen Betroffene sich selbst lange nicht als krank. "Zum Krankheitsbild gehört eine ausgeprägte Verleugnungsstrategie", sagt BZgA-Direktorin Pott. Laut Friederich verändern meist erst körperliche Beschwerden wie Erschöpfung, Kreislaufbeschwerden, Schlafstörungen und innere Unruhe die Selbstwahrnehmung. Damit steigt möglicherweise die Bereitschaft zur Therapie.
"Je früher Magersucht behandelt wird, umso leichter ist es, sie in den Griff zu bekommen, weil die psychischen Strukturen noch nicht so verfestigt sind", rät die Sozialpädagogin Kathrin Harrach.
Auf dem Weg dorthin brauchen die Patienten verständnisvolle Begleitung. "Mit Sätzen wie "Jetzt iss doch endlich - das kann doch nicht so schwer sein", erreicht man gar nichts", warnt die Beraterin. "Verständnis" setzt auch voraus, dass sich Angehörige und Freunde selbst gut über Magersucht informieren.
Quelle: forumgesundheit