Hormone sind dabei, die Modedrogen dieses Jahrhunderts zu werden. Seit Jahrtausenden ranken sich Sagen um die Möglichkeiten, ewig jung zu bleiben mit allen Konsequenzen: Zeugungsfähigkeit, Aussehen, Elastizität, Sportlichkeit. Man war schon immer fasziniert von Frauen, die noch im höheren Lebensalter attraktiv und erotisch wirken. Männer, die in Lebensaltern, in denen andere sich auf das Lebensende vorbereiten, Kinder zeugen, und damit ihre lebenslängliche Potenz be"zeugen", wurden in allen Zeiten der Menschheitsgeschichte bewundert.
Die Entdeckung der Hormone und die ersten Erkenntnisse über ihr Zusammenspiel im menschlichen Organismus führten in den letzten Jahrzehnten des letzten Jahrhunderts zu der frühen Hoffnung, das "Problem" des Alterns zu "besiegen".
Inzwischen scheinen einige Fragen geklärt zu sein und es setzt ein gigantischer Großversuch ein, weltweit mit künstlichen Hormonen den Menschen im Sinne der wissenschaftlichen Denkweise zu beeinflussen.
Hormone haben auch in geringsten Konzentrationen Macht über unseren Körper. Sie gleichen aus, verbinden Innen mit Außen, harmonisieren Körperrhythmen, regulieren Wachstum, Fortpflanzung, Stresstoleranz, Verdauung, den Schlaf und unser Wohlbefinden. Geburtenkontrolle, Erweiterung der Fruchtbarkeitsspanne, Behandlung von Allergien, Entzündungen, Knochenentkalkung, Klimakterium, Akne und Haarausfall sind nicht die einzigen Möglichkeiten der modernen Medizin, das Leben des Menschen zu beeinflussen. Dabei allerdings sind Nebenwirkungen nicht auszuschließen.
In letzter Zeit wird die Hormonersatztherapie der Frauen in den Wechseljahren hart kritisiert. Immer noch erhalten zu viele Frauen in Deutschland, die ihre Gebärmutter noch haben, reine Östrogenbehandlungen. Standard ist längst die Kombination mit Gestagenen. Nur wenn die Gebärmutter entfernt wurde, ist die Mono-Therapie mit Östrogenen zulässig. 4.800 von 42.000 Frauen im Alter zwischen 40 und 79 Jahren, die 1998 erstmals an Brustkrebs erkrankten, sollen die falschen Hormonpräparate erhalten haben. Jeder achte Tumor ginge auf ungeeignete Verschreibungen zurück. Unabhängig von der Hormonkombination ist die Rate der Krebserkrankungen der Gebärmutterschleimhaut (Endometriumcarcinom) zu einem Drittel der Einnahme weiblicher Hormone zu verdanken.
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