Herpesviren tragen fast alle Menschen in sich, aber nur jeder Dritte erkrankt. Normalerweise sind die Erreger inaktiv und unangreifbar für Medikamente. US-Forscher wollen die Viren jetzt wecken - und töten.
Schmerzhafte und störende Herpesbläschen auf den Lippen könnten bald der Vergangenheit angehören: Wissenschaftler haben jetzt den Mechanismus entschlüsselt, wie sich Herpesviren jahrelang in den Nerven von Menschen verstecken, bevor sie die Bläschen verursachen. Wie ein Team um den US-Molekularbiologen Bryan Cullen in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins "Nature" berichtet, spielt dabei die vom Herpesvirus produzierte Ribonukleinsäure (RNA) eine entscheidende Rolle.
Nässende Bläschen: Lippenherpes juckt und tut weh
Herpesviren können über Jahre hinweg im menschlichen Körper verweilen und sind in dieser Zeit für kein Medikament erreichbar. Untersuchungen haben ergeben, dass rund 90 Prozent der Weltbevölkerung die Erreger in sich tragen - Mediziner sprechen von einer latenten Infektion. Nur knapp jeder dritte Virusträger aber leidet unter den juckenden, nässenden und schmerzhaften Lippenbläschen. Auslöser wie starke Sonnenbestrahlung, Fieber oder Stress können das Virus wieder aktivieren.
Das Forscherteam um Bryan Cullen vom Duke University Medical Center in Durham, North Carolina, hat das Herpes simplex Virus 1 (HSV-1) untersucht, das beim Menschen unter anderem Lippenherpes hervorruft. Was beim Wechsel zwischen der aktiven und der latenten Infektion passiert und wie der Ruhezustand aufrechterhalten werden könnte, war Wissenschaftlern bislang weitgehend unklar. Bekannt war lediglich, dass ein Gen namens LAT daran beteiligt ist. Anders als viele andere Gene bildet LAT jedoch kein Eiweiß - seine genaue Funktion blieb deshalb rätselhaft.
Cullen und sein Team haben das LAT-Gen nun genauer unter die Lupe genommen. Die Wissenschaftler entdeckten dabei, dass es die Informationen zur Herstellung sogenannter microRNAs (miRNAs) in sich trägt. Das sind winzige Abschnitte RNA, die ein bestimmtes Eiweißmolekül blockieren, das für die Vermehrung des Virus nötig ist. Erst unter bestimmten Stressbedingungen steigt die Zahl der Eiweißmoleküle so stark an, dass nicht mehr genügend miRNAs vorhanden sind, um sie zu unterdrücken: Das Virus wacht auf.
Durch die neuen Forschungsergebnisse ist das Virus angreifbarer geworden: Cullen und seine Mitarbeiter arbeiten laut einer Pressemitteilung der Duke University Medical School zusammen mit der Pharmaindustrie bereits an der Entwicklung eines Medikaments. Es soll die microRNAs abfangen und so den Schlummerzustand beenden. "Im Prinzip könnte man sämtliche in einem Patienten verborgenen Viren aktivieren und dann abtöten", erklärte Cullen. Damit könne der Betroffene endgültig von der Krankheit geheilt werden, so die Hoffnung des Forschers.
Quelle: spiegel
Wer nicht mehr so lange warten will bis endlich der Durchbruch gegen das Virus geschafft ist, kann
hier mal noch eine ziemlich gute Methode anschauen...